Zuschrift vom 10.06.2010
Hallo liebe Pia, lieber Rudi,
nachdem wir unseren alten Chihuahua-Rüden bei einer OP verloren hatten, stand für uns fest, es kommt erst einmal kein neuer Hund ins Haus. Damit wollten wir uns Zeit lassen und alle Beteiligten waren sich einig. Dieser Vorsatz hielt ungefähr eine Woche. Rein zufällig war ich im Internet auf die Homepage einer Organisation gestoßen, die sich um die Vermittlung ausrangierter Zuchthunde kümmert. Das Schicksal dieser Hunde berührte uns sehr und wir bewarben uns um eine 5 Jahre alte Chihuahua-Hündin. Nach mehrmaligen telefonischen Kontakt mit der Pflegestelle und einem Kontaktbesuch durch die Organisation konnten wir Paya Mitte Februar in der Nähe von Osnabrück abholen.
Paya war eine hektische kleine Hündin mit erheblichem Übergewicht, großer Unsicherheit und schrecklicher Angst vor allem Neuen und Ungewohnten. Außerdem schien sie ein „Frauenproblem“ zu haben. Den Schwanz trug sie permanent zwischen die Hinterbeine geklemmt, bewegte sich in gebückter Haltung und die Ohren waren in angstvoller Weise angelegt. Spaziergänge waren wegen der großen Schreckhaftigkeit eine Herausforderung und sie löste sich nach anfänglichen „Ausrutschern“ zu Hause nur im Garten. Autofahren löste großen Stress aus, gekennzeichnet durch andauerndes Hecheln. Es dauerte eine Woche bevor sie sich vorsichtig von mir streicheln ließ. Alle anderen Personen mussten Abstand halten. Wenn ich sie anleinen wollte legte sie sich ganz flach auf den Boden und schaute mich mit angstvollen Augen an. Grundgehorsam war nicht vorhanden – wie auch. Zuchthunde wie Paya werden von ihren Vermehrern häufig unter widrigsten Umständen in Zwingern oder Käfigen gehalten und ausgebeutet. Niemand hatte sich mit ihr beschäftigt und außer zu ihren Welpen hatte sie wohl kaum Sozialkontakt, geschweige eine Erziehung.
Uns war von vorneherein klar: Wenn wir einen solchen Hund übernehmen, dann darf das kein Experiment werden. Wir brauchen professionelle Unterstützung. Also musste relativ zeitnah eine gute Hundeschule her, die nicht nur Erziehungskurse anbietet, sondern insbesondere bei akuten Problemen Rat weiß. Eine Woche später ging’s los. Nach einem sehr informativen Telefongespräch mit Pia, in der sie sich eingehend über Paya und die Probleme informierte, begann im tiefverschneiten Ostpark unser Training.
Ganz wichtig für mich war von Pia, Birgitt oder Rudi immer professionelle Ratschläge zu unseren akuten Problemen zu erhalten. Das Angstproblem bei den Spaziergängen bekamen wir z. B. mit der ausschließlichen Fütterung im Freien in den Griff. Nachdem der Hunger über die Angst gesiegt hatte klappte es dann auch fast automatisch mit „dem Geschäft“ draußen. Mittlerweile besuchen wir schon den 2. Erziehungskurs und Paya macht Fortschritte, von denen wir vor 3 Monaten noch nicht geträumt hätten.
Aus Paya ist mittlerweile eine lebenslustige, sehr anhängliche und gelehrige Chihuahua-Dame geworden, die das Training in der Hundeschule liebt. Auch ich genieße die Trainingsstunden, die Erfolge der vier- und zweibeinigen Trainingsteilnehmer und den Erfahrungsaustausch mit dem Trainerteam.
Die meisten von Paya’s anfänglichen Problemen sind mittlerweile keine mehr. Aber man muss auch realistisch bleiben; Hunde mit einer solchen Vorgeschichte werden ihr Leben lang kleine Macken haben. Das Positive daran ist jedoch, dass man diese Macken durch Training und Erziehung beherrschbar machen kann und sie einen nicht daran hindern sollten, solche wunderbaren und sehr dankbaren Tiere in sein „Familienrudel“ aufzunehmen. Wir haben es – unterstützt durch unsere tolle Hundeschule - nicht bereut.
Heike Steenwegen
